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Holzbefunde in Schrobenhausen – Eine frühmittelalterliche Mühle an der Paar?

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Holzbefunde in Schrobenhausen – Eine frühmittelalterliche Mühle an der Paar?
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  103tanten für eine Zeit der systematischen Land-nahme im Lech-Donau-Winkel. Der Ortsname (Ober-)Baar, der namenkundlich wahrschein- lich auf einen pekuniär-skalischen, also Er  -trag bringenden Herrschaftsbezirk zurückge-führt werden kann, könnte diesen historischen Prozess widerspiegeln. Mit einer wünschens-werten wissenschaftlichen Auswertung des Gräberfeldes Oberbaar wird man diese Abläu-fe detailliert belegen können. Außerdem bie-ten sich Überlegungen zu den wirtschaftlichen Existenzgrundlagen der Bestattungsgemein-schaft an, etwa zu einem bereits bekannten Eisengewinnungsplatz in der unmittelbaren Nähe, welcher durchaus frühmittelalterliche Wurzeln haben kann.Fabian Gall  Literatur M. Trier, Ein „koptisches“ Bronzegefäß des 7. Jahrhunderts aus dem Gräberfeld bei Thierhaupten-Ober-baar. Bayer. Vorgeschbl. 57, 1992, 277–298. – M. Trier, Die frühmittelalterliche Besiedlung des unteren und mitt-leren Lechtals nach archäologischen Quellen. Materialh. Bayer. Vorgesch. A 84 (Kallmünz 2002). Grabungsdurchführung   Fa. AGM Archäologische Gra-bungen Mattheußer, Meitingen. – Örtliche Grabungs-leitung T. Limpert und G. Stumpf-Hanand. Holzbefunde in Schrobenhausen – Eine frühmittelalterliche Mühle an der Paar? Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Oberbayern Schrobenhausen wurde bereits in karolingi-scher Zeit um 790 erstmals als „Scropinhu-sen“ erwähnt und verfügte im Jahr 888 über eine Pfarrkirche, einen Getreidespeicher und ein Herrenhaus. Als Markt tritt der Ort erst-mals im Jahr 1310 in Erscheinung. Im Zuge des Städtekrieges 1387 bis 1389, eines Kon- ikts des Schwäbischen Städtebundes und des Salzburger Erzbischofs auf der einen und des Herzogs Friedrich von Bayern auf der anderen Seite, wurde Schrobenhausen angegriffen und weitgehend zerstört. Im Zuge des Wiederauf-baus und der Erweiterung der verheerten Stadt ab 1392, der durch die Herzöge von Bayern-Ingolstadt gefördert wurde, entstand der heute noch weitgehend erhaltene Bering. Dieser be-stand aus einem doppelten Graben mit Stadt-mauer und wurde im 19. Jahrhundert zu einer die Altstadt rings umgebenden baumbestande-nen Anlage umgestaltet.Von Dezember 2014 bis Ende April 2015 fan-den baubegleitend zwei Rettungsgrabungen im historischen Stadtkern von Schrobenhausen statt. Die einander benachbarten Grabungsä -chen liegen im Bereich der hochmittelalterli-chen Stadtgrenze, vor deren Erweiterung. So war mit Spuren des Stadtgrabens zu rechnen. Metzgergasse 8 Die erste der beiden Grabungen fand an der Metzgergasse statt. Hier stieß man unterhalb rezenter Planier- und Schwemmschichten in 2,5 m Tiefe auf einen massiven Holzbefund. Die unregelmäßig liegenden bzw. stehenden Hölzer wurden auf Höhe des anstehenden Kieses erkannt und wiesen zum Teil Bearbei-tungsspuren auf. Da sich die Kiesschicht auf Höhe der Bauend-tiefe befand, konnte der Holzbefund hier nicht weiter untersucht werden. Im Westen der Gra-  bungsäche wurde ein beschädigter Brunnen entdeckt. Den oberen Teil bildeten drei Lagen eines Kastenverbaus über einem ausgehöhlten Baumstamm (Abb. 160). In der Verfüllung des Stammes fanden sich Fragmente von drei hohen, schlanken Töpfen, die sich ins 13.–15. Jahrhundert datieren lassen. In unmittelbarer Nähe, an der Außenseite des Stammes, wur-de zudem ein Fragment „rauwandiger Ware“ gefunden. Das vermutlich handgemachte und dann nachgedrehte Gefäß datiert wohl ins 10.–12. Jahrhundert, nicht später. Es liegt na-he, dass man den Brunnen zu dem Zeitpunkt anlegte, als der alte Stadtgraben im Zuge der Stadterweiterung aufgegeben wurde. Dendro-chronologische Untersuchungen erbrachten mangels einer ausreichenden Anzahl von Jah-resringen keine Datierung. 160 Schrobenhausen,  Metzgergasse 8. Hoch - mittelalterlicher Baum -stammbrunnen mit oberem  Kastenverbau. Mittelalter   104 Im Tal 6 Zu dieser Baustelle, die derjenigen in der Metzgergasse direkt benachbart ist, wurde die Grabungsrma erst nach Beginn der Aushub- arbeiten hinzugezogen. Außer den rezenten Planier- und Schwemmschichten in den Pro- len konnte man hier eine Pfostenreihe doku -mentieren. Nach einer Bauplanänderung und einer weiteren Abtiefung um 0,5 m trat in die-ser Fläche ebenfalls ein mächtiger Holzbefund zutage, der als Wasserkanal interpretiert wer-den kann (Abb. 161). Innerhalb der Befundver-füllung, bestehend aus wechselnden Schichten von dunkelbraunem, torgem, feinsandigem Schluff und grau gefärbtem, kiesigem Mittel- bis Grobsand, fanden sich mehrfach geschich-tete Holzlagen. Sie reichten von 1,64–1,76 m Tiefe unter Planum 2 und erstreckten sich über ca. 11,5 m.Der Befund ist Nordwest-Südost ausgerichtet. Die Hölzer fanden sich in liegender, senkrech-ter und schräg stehender Position. Die meis-ten Rundhölzer weisen Bearbeitungsspuren in Form von Verzapfungen oder Löchern auf. Bei den schräg stehenden Hölzern scheint es sich um die Seitenbefestigung des Kanals zu han-deln. Zwischen diesen wurde auch ein langes, keilförmiges Brett entdeckt, das als Schleuse fungiert haben könnte. Südwestlich von dem Kanal wurden eine Holzrinne und mehrere Hölzer, die im rechten Winkel verzapft waren, gefunden. Diese könnten zu einer zerstörten Gebäudekonstruktion gehören. Alles deutet auf die Überreste einer Wassermühle hin. Die Dendrodaten weisen in die Zeit von 530 bis 900 n. Chr. Bearbeitungs- und Reparaturmaß-nahmen lassen sich ans Ende des 8. Jahrhun-derts datieren. Die Datierung unterstützendes Fundmateri-al konnte nicht geborgen werden. Mehreren Tierknochen steht ein völliger Mangel an Keramik gegenüber. Dies lässt sich vermut-lich dadurch erklären, dass nur die obersten Schichten freigelegt wurden. Eine archäobota-nische Schnell analyse des Bodens ergab eine außergewöhnliche Kombination von Pan -zenresten, die auf eine Fasernutzung aus Lein hinweist. Das Artenspektrum reicht von Kul- turpanzen wie Lein und Getreide bis hin zu Wildarten des Ackers, von Schlaguren und wasserbeeinussten Flächen. Auch Fußab -drücke mehrerer Haustiere, wie Kühe, sind im Sediment erhalten geblieben. Dies könnte auf eine Art Weg schließen lassen. In der südwestlichen wie auch in der nord-westlichen Ecke der Baugrube kamen jeweils die Reste eines Brunnens zum Vorschein. Der nördlich gelegene Baumstammbrunnen konnte nur noch in wenigen Zentimetern erfasst wer-den. Die Verfüllung des hölzernen Kastenbaus 161  Schrobenhausen, Im Tal 6. 3D-Fotogrammetrie des hölzernen Wasser-kanals. 0 2 m  105im Süden beinhaltete neuzeitliches Material. Der Boden dieses Brunnens besteht aus einer Ziegellage im anstehenden Kies (Abb. 162). Fazit Der große Holzbefund, der als Wasserkanal oder auch als eine mehrphasige Wassermühle gedeutet werden kann, datiert in die Zeit der ersten schriftlichen Erwähnungen Schroben-hausens. Mittels der Dendrodaten ließ sich die Mühle wohl in karolingische Zeit datieren. Die älteren Daten der Serie weisen darauf hin, dass der Ort bereits in merowingischer Zeit besiedelt war, auch wenn die Hölzer womög-lich sekundär verwendet wurden. Die Fund-stelle „Im Tal“ liegt rund 200 m westlich des heutigen Paarlaufs. An diesem stark mäand-rierenden und für den Mühlenbetrieb beson-ders geeigneten Fluss ist bereits in Dasing eine frühmittelalterliche Mühle entdeckt worden. Hier zeigt sich deutlich, wie wichtig archäolo-gische Befunde als ergänzende Quelle histori-scher Forschung sind.Anton Steger  Literatur   A. Schubert, Städtekrieg. Abgerufen von http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/ artikel_45561. – W. Czysz, Die ältesten Wassermühlen. 162  Schrobenhausen,  Im Tal 6. Mittelalterlich/ neuzeitlicher Brunnen mit  Ziegellage am Grund. Archäologische Entdeckungen im Paartal bei Dasing (Thierhaupten 1998).  Durchführung der Ausgrabungen  Fa. ProArch GmbH, Ingolstadt. – Örtliche Grabungsleitung   A. Steger, Fa. ProArch, Ingolstadt. – Vermessung  M. Rakos und A. I. Burdus, Fa. ProArch, Ingolstadt. – CAD-Bearbeitung   A. Werner-Siegfried, Fa. ProArch, Ingolstadt. – Geoarchäo - logie  B. Kopecky-Hermanns, Karlshuld. –  Archäobotanik   B. Zach, Bernbeuren. –  Dendroarchäologie  F. Herzig, BLfD. Die curtis dominicalis   an der schmalen Ache: Kirche und mittelalterlicher Fronhof Schmalnohe Gemeinde Edelsfeld, Landkreis Amberg-Sulzbach, Oberpfalz Schmalnohe im Mittelalter Der Weiler Schmalnohe liegt am Übergang der mittleren Frankenalb zum Oberpfälzer Bruchschollenland und erscheint zwischen 1119 und 1139 in Urkunden der Klöster Mi-chelfeld und Ensdorf erstmals in der schrift-lichen Überlieferung. Der Platz wird hier u. a. curtis dominicalis  genannt, was belegt, dass es in Schmalnohe zu dieser Zeit einen Fron-hof als Mittelpunkt einer größeren Villikation nördlich des früh- und hochmittelalterlichen Herrschaftszentrums Sulzbach gab. Die Her-ren von Schmalnohe gehörten damals zu den führenden Vasallen der Grafen von Sulzbach, die im 11. und 12. Jahrhundert zu den mäch-tigsten Adelsfamilien im Reich zählten. 1143 wird eine Kirche in Schmalnohe erwähnt, als Otto de Smalnaha  diese zusammen mit einem Hof und einem Wald an das Kloster Michel-feld schenkte. Der Ortsname ist nicht, wie man im ersten Moment vermuten könnte, ein Gewässername, sondern ein Siedlungsname, bedeutet er doch „Siedlung an der schmalen Ache“. Wegen des Grundwortes germ. -aha  (= Bach) kann aus sprachgeschichtlicher Sicht eine Entstehung der Siedlung vor dem 8. Jahrhundert n. Chr. angenommen werden. Im Zuge von Kirchensanierungs- und Wege-baumaßnahmen fanden im Herbst 2014 und Frühjahr 2015 Ausgrabungen im Umgriff der heutigen Ottokirche am nördlichen Ortsrand statt. Diese lieferten spannende Erkenntnisse zum Alter der Siedlung, zur Struktur des Her-rensitzes und zur Baugeschichte der Kirche. Die Parzellengrenzen in der Uraufnahme des 19. Jahrhunderts lassen die Ausdehnung des mittelalterlichen Herrenhofs noch deut-lich   erkennen. Er lag in leichter Südhanglage über dem schmalen (!) Krummbach und hatte wahrscheinlich eine Ausdehnung von etwa 120 × 95 m (Abb. 163). Zumindest die Höfe Nr. 1 und 2 dürften zur Zeit der hochmittel-alterlichen curtis  bereits bestanden haben. Im Nahbereich Schmalnohes verlaufen mehrere Altstraßensysteme, von denen eine Nord-Süd-Route heute in einen mächtigen Hohlweg unmittelbar nördlich des Ortes mündet. Der Platz war demnach an die Fernwegenetze aus dem Raum um das Herrschaftszentrum Sulz-
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