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Botanische Aspekte früh- und hochmittelalterlichen Lebens in Mitterretzbach, Niederösterreich

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Charred plant macroremains from three supposed refuse pits (one early Slavic, two high medieval) from an excavation near Mitterretzbach, northern Lower Austria, were analysed. The 1,783 finds represent various aspects of rural life of the two
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  Adeas G. Heiss Botanische Aspekte früh-und hochmittelalerlichen Lebens in M itterretzbach s G. Hss Obwoh de Erforschung hstorscher Epochen durch das Voregen zahloser schrlcher Dokumente auf den ersten Bck deuch enfachere Zugänge zur Ver-gangenhet ermögcht als de Prähstore decken Text-queen erfahrungsgemäß vees ncht ab: Ähnch der Antke befassten sch de soza prvlegerten Schrkundgen omals ncht mt den Nederungen der menschlchen Exstenz we etwa dem bäuerlchen Le-ben Auch Klosterregster Urbaren und Herrschas-bücher erfassen de emenbereche Landnutzung und Ernährung o nur sowet we se den Interessen der Verfasser dench schenen und können stets nur über Ausschntte der bäuerlchen Lebensrealtät Auskun geben • De Ergänzung durch archäoogsche Beege von Panzen de wederum sebst nur enen Tel deser Lebensrealtä abbden können st deshalb auch n de-sen Epochen notwendg um sch von zetgenössschen sozaen Faktoren unbeenusst den Gegenständen des tägchen Lebens weter zu nähern Interdszplnäre archäoogsche Forschungen n Ne-dersterrech konnten n den vergangenen Jahrzehnten enen großen Wssenszuwachs zu vergangenen Lebensstuatonen zur Umwelt Sedlungs und Landwrt-schasgeschchte vor allem prähstorscher Epochen verzechnen Insbesondere de ntensve Kooperaton des MAMUZ n Asparn/Zaya mt archäoboogschen Arbetsgruppen etwa am Naturhstorschen Museum (NHM) Wen der Unverstät für Bodenkulur Wen (BOKU) und der nverstät Wen (VIAS) resulterte n ener ganzen Rehe neuer Erkenntnsse zu vergange-nen Lebewelten m Wenund Wadverte Im vore-genden Fall von Mtteetzbach (KG Retzbach Bezrk Hoabrunn; 48° 47 14N 15° 58 5 E 256 m ü A Abb ) konnte n Rettungsgrabungen unter der Letung von Ernst Lauermann und ranz Drost n den Jahren 999 bs 25 en mehrphasger Sedungspatz ergraben werden der n der Flur Hocker ene Velzahl von Grabungsobjekten erbrachte3 De archäoogsche Auswertung der mttealterlchen Befunde wurde durch   Vgl etwa ei NHAURSCHT 2011) nd im Dskssonse der voriegenden rbei Vormas rgeschchemsem ederöserrech. AURANN/DROT 2001) Elsabeth Nowotny übernommen de archäoboanschen Analysen wurden m Rahmen enes Projekts an der BOKU Wen durchgeführt De Fundstele Mtteetzbach st ncht zuetzt aufgrund hrer naturräumchen Gegebenheten für de Archäobotank en spannendes und lohnendes Unter-suchungsgebet Denn her veräu mehr oder wen-ger enang der Grenze zwschen Waldund Wenvertel de Grenze zwe er Florenregonen der Mtteeuropäschen m Westen und der Pannonschen m Osten Geoogsch st dese Grenze durch den Übergang zwshen den skatsch geprägten mest eher kargen und sauren Böden der Böhmschen Masse m Westen und den durch tefgründge karbonatreche Schwarzerdeböden domnerten sanen Hügen des Wenvertels m Osten charaktersert Mtteetzbach legt dadurch an ener ausgesprochenen naturräumchen Grenzlage deren Enluss auf de Landwrtscha sch set dem Begnn des Ackerbaus n der Regon stets deutlch für de Beseder deses Gebetes ausgewrkt haben musste Abb  Lage vo Mtteretzbach Kategudage SE (2002) Vg wTN 2013), BetragwTN n diesem Band Vg. daz ewa MU/JR 1992), ikfed 1993), ICHR et al. 2008) Siehe herz asfhrlich ei KOHRSCHNIR (m Drck)  Boank 10 20 30 40 50m  • Fühswisch Phs • Fühs Hochmittt Abb 2. Mtterretzbach Lage der botasch utersuchte Grube  der Grabugsfläche Grafgrudage raz Drost Material und Methoden Aufgrund der Bodensiuaion war in Mierrezbach nur mi der Erhalung verkoher Planzenrese zu rechnen Denn Panzenmaeria wird in gu durchlüeen durch den Niederschag wechselnden Feucheverhälnissen ausgesezen Böden inner weniger Wochen bis Monae nach seiner Ablagerung von bodenebenden Mikroor-ganismen zersez Dem gegenüber beib verkohles Panzenmaeria chemisch und mikrobie weigehend unveränder und kann mehrere Jahrausende überdau ACOET/KREU 999) ern Für das Verkohen is jedoch der Konak mi Feuer uner spezielen Bedingungen nowendig die Tempera-ur darf nich zu hoch die Sauersozufuhr muss ein-geschränk sein da die panzichen Gewebe sons bis zur Unkennlichkei zersör werden oder volsändig zu Asche zerfallen Verkohlungsvorgänge führen somi ses auch zu einer Seekion der archäoogischen Rese denn Maerial das selener in Konak mi Feuer komm beib selener erhaen ewa Panzeneile die roh gegessen werden oder die am Feld verbeiben Au-ßerdem werden durch das Verkohlen zarwandige Ge-bilde wie beispiesweise Bläer sehr viel schneler zer   Adreas G Heiss  Planum  gelbgüne, zT gebannte eh NOProfil PL     .;  uig � :.-  �  - Hl de Ache, böelig veziegelt Panum  Panum  H  m Abb 2b. itterretzbach Umzeichnungen der botanisch untersuchten Befunde Zeichnungen ranz Drost (verändert) sör als harschalge n verkohlem Maeral snd ganz besonders auch ölreche Panzenele sark unerreprä-sener da se be Konak m Feuer besonders lech vollsändg verbrennen In Fundensembles echsel-feucher Böden r man deshalb vor allem verkohle Holzparkel und harschalge Samen und Früche an  Dese verkohlen Planzenrese snd aufgrund hrer Klenelgke (se überschreen nur selen Größen von 1 cm) n der Grabung nch m free Auge erkennbar können also nur blnd mels großvolumger Erdproben ennomen erden und müssen anschleßend durch Dcherennung n Wasser (Floaon) aus dem Erdrech exraher erden Von den zahlrechen Grabungsobjeken aus denen Erdproben ennommen orden aren urden zunächs zehn Gruenbefunde vorläug als melalerlch angesprochen und das Pro-benmaeral vollsändg oer Nach engehender Bearbeung der Keramk durch Elsabeh Noony mussen jedoch seben Objeke von der archäoboanschen Bearbeung ausgescheden erden da de erak ene sarke Durchmschung m Resen anderer Epochen anzege Schlussendlch bleben noch ver Erdproben aus dre Grabungsobjek-en und m enem Gesamvolumen von 07  für de   Vg. exemparisch ei JACOET/KREU 1999) sowe JACOET 2007) STRUER 1968), SCHNEER/KRONERER 1991), JACOET/ KREU 1999). Großer Dank glt herr Slva Wiesger nd ona Sznyogh, edeWien archäoboansche Bearbeung übrg: de n frühslasche Ze daere Grube 199 (22) aus dem 7 Jh soe de Verf 2026 und 2027 (85) ze Spechergruben de ohl n de Me des 11 hs und dam n das frühe Hochmelaler daeren (Abb 2a b ) De Besmmung der boanschen Rese erfolge am Aulchmkroskop be Vergrößerungen bs 40fach uner Nuzung von Sandardleraur3 soe der Verglechssammlungen des Auors und der Arbesgruppe Archäoboank der BOKU Wen De ssenschalche Nomenkaur der denzeren Panzen rche sch nach der Exkursonslora von Öserrech  m Ausnah-me der Kulurplanzen de ensprechend den n der Archäoboank üblchen axonomschen Rangsufen benann snd  Erfass urden de Panzenrese an-schleßend n der Daenbank ArboDa  mels derer auch de Tabellen zur Auserung erzeug urden Abbldungen der Panzenrese urden angeferg ndem zunächs m ener mels Okularadaper am        Die as den etroenen Pana georgene eramk weist enen r den Fndort Mtteetzach relativ geringen nte rgeschchtlcher Bemengngen a m Deta Proe r. 8853 (Ver. 1993), Panm 4,9: 58% rhmtteaterliche Keramk Proe r. 8694 (Ver 2026) Planm nek n den teen Bereichen s z 85,7 % mittealterche Keramk Proe r. 8693 (Ver 2027), Planm 5,9: 57 % mttelalterche Keramk Proe r. 8701 (Ver 2027), Panm 5,9: 57% mtteaterche Keramik siehe ach wTN deser Band, . 26 nd a. 12) Vg wTN 2013) 171 BERREN 1981), NERER 1994), AER et a. 2006), JAET 2006), BAN'/ARA 2007). CHER et a. 2008) ZHAR et a 2012). KREU/SCHÄER 2002). erzlchen Dank r die nertigng glt errn ain er Mehnert, Weil der Stadt.  Mikroskop befestigten Digitalkaera Bildstapel (image stacks) unterschiedlicher Schärfeebenen erzeugt wur-den und diese anschließend sowareunterstützt zu durchgängig scharfen Bildern zusaengesetzt wur-den Ergebnisse Insgesat wurden aus den in Mitteetzbach beprob-ten ittelalterlichen Objekten 78 verkohlte Panzenreste geborgen (Tab  Tab 2) die sich je zur Häle auf Kulturpanzen (855 Stück) und Wildpanzen (865 Stück) verteilen ur % des gesaten Materials ( 6 Planzenreste) ussten aufgrund schlechter Erhaltung gänzlich unbestit bleiben Die Funddichte ist it knapp 17 Resten pro Liter Bodenaterial mehr als doppelt so hoch wie in den latnezeitlichen Objekten derselben Grabung Im Ver-gleich zu anderen (früh)ittelalterlichen Befunden iederösterreichs bewegen sich die Werte der Fund-stelle jedoch im unteren Bereich Dies und vor alle auch die Bearbeitung von nur insgesat drei Befunden bedingt für das ittelalterliche Mitteetzbach eine Da-tenlage die das Treen statistisch relevanter Aussagen noch nicht zulässt Die Interpretation der Daten (s dort) uss sich deshalb vor alle auf qualitative Aspekte und den Vergleich it weiteren Fundstellen beschränken Frühmittealteriche Pflanzenreste Tab. 1, Taf.  2a 2b Die in Verf 199 nachgewiesenen Kulturgetreide decken trotz der geringen Gesamtanzahl von Funden (nur 47 Belege) ein breites Spektru ab: Spelzgerste (Hordeum vulgare), acktweizen (Triticum aestivum!durum/ turgidum), Roggen (Secale cereale), EchtRispenhirse (Panicum miliaceum) und Kolbenhirse (Setaria italica) konnten durch Körnerfunde nachgewiesen werden Be-lege von Hafer und von Spelzweizen fehlen hingegen ebensowenig konnten Spreureste vorgefunden werden Auch Funde vo ' n Hülsenfrüchten fehlen gänzlich Als einzige Ölfrucht ist der Hanf (Cannabis sativa) durch den Einzelfund eines üsschens dokuentiert Der durch seine Steinzellennester charakteristische Frucht-fund von Birne (Pyrus sp) ließ sich wie auch ehrere Birnensaen nicht eindeutig der Kulturbirne (Pyrus communis) zuweisen Möglicherweise handelt es sich also auch u den achweis einer gesaelten Wild-birne (Pyrus pyraster). Unter den Wildplanzen doinieren wie in vielen Siedlungsbefunden unterschiedlichster Epochen auch 18 19 0 K et a 2000-202). rhmtealterche Gre Ver 1993 31 ese/ hochmitelalerce Gren 2026 nd 2027 13 este /KHRSCHNIR (im Drck) Botank i frühittelalterlichen Mitteetzbach die Störungs-zeiger (474 Belege), dh Besiedler von v a durch den Menschen häug begangenen oder ugebrochenen (also gestörten") Lebensräumen mit eist hohe Stickstoangebo Es handelt es sich fast ausschließlich um einjährige Panzen it ausgeprägt kurze Lebenszyklus  Fundspektru nden sich darunter zum einen typische Vertreter der Begleitvegetation von Äckern in Herbstsaat ( dh von Wintergetreide) wie Kornrade (Agrostemma githago) und WindenKnöte-rich (Fallopia convolvulus), zum anderen aber großteils Gewächse die sich sowohl als Unkräuter" in Somer-getreideund Hackfruchtkulturen als auch als Besiedler von Wegrändern und anderen nährstoreichen Stellen i Siedlungsbereich nden und die deshalb allgemein sehr häug in archäologischen Fundschichten im Sied-lungsbereich aureten Die große Doinanz von Vertretern der Gänsefußgewächse ag ungewöhnlich er-scheinen, ist aber in archäologischen Fundstellen nicht unüblich und vor alle durch die hohe Anzahl der Sä-ereien begründet die jede einzelne dieser Panzen pro Vegetationsperiode produziert Es gilt inzwischen als gesichert, dass Gänsefuß während Europas Urge-schichte zuindest an manchen Orten eine Rolle als gesaelte ahrungspanze spielte Zu seinem Sta-tus während des Mittelalters kann hierzu noch keine Aussage getätigt werden da ausreichende Daten noch nicht vorliegen Die ökologischen Ansprüche und vegetationsge-schichtlichen Hintergründe der übrigen nachgewie-senen Störungszeiger sind durchaus sehr unterschiedlih Der VogelKnöterich (Polygonum aviculare) als trittresistente und äßig nitrophile Art i Siedlungs-ufeld ist praktisch in ganz Europa an viel begangenen Stellen, etwa auf Wegrändern oder lächen zu nden De gegenüber ist der Gewöhnliche Igelsae (Lappula squarrosa) als therophile Art i Pannonischen Be-cken zwar häug anzutreen zuindest i Rest Öster-reichs jedoch seltenY Und wo der Rainkohl (Lapsana communis) als Archäophyt wohl von den Äckern der Bandkeraiker ausgehend begonnen hat auch weitere Habitate wie Feldraine und Wegränder zu erobern, ist die Artengruppe des Schwarzachtschattens (Solanum 21     henopodiaceae zw maranthaceae pp-im akte eareeen Maeral vor allem drch die Gattng Cenopodum vertreten Vg SO K /O  L ON 2002). ICHR e a 2008) s rchäophyten sind Panzen denier die drch den Menscen vor der ntdeckng merikas in nee aae eingeracht wrden hnen gegener sehen de eopyen de der Mensch asichtic oder versehentich nach 492 ne in enem Geie eingehr ha sowie die indigenen Panzen de ohne Ztn des Menscen n enem Geie vorkommen V g ewa KRUe a 2005).   Andreas  He Tte Verohlte Reste von ulturpflanzen aus der frühmittelalterlchen Grube (Verf. 1993). e Getreide f Ölsaaten, g-h (Widoder ultur-) Obst  Hordeum vulgare (Spelzgerste) aryopse, b Trtcum aestvum/ durum/turgdum (Nactweizen) aryopse, c Secale cereale (Roggen) aryopse, d Pancum mlaceum (chtRspenhrse) aryopse, e Setara talca (olbenhrse) aryopse f annabs satva (an) Nüsschen, g Pyrus sp (Brne) rucht, h Same. Maßstabsängen jewels 1 mm otos A G. ess nirm agg) verutlch n uropa urenhesch und hat von aturstandorten we nährstorechen Gewäs-serufern und feuc�ten Wadlchtungen aus begonnen de Äcker und Gärten der Menschen zu besedeln Für das (Früh)Mtteater we auch für sätche anderen Epochen glt, dass de Spektren der vorgefundenen Unkräuter" ene Inforatonsquele darsteen, de sofern durch genügend Analysen gestützt ene enor bedeutsae Datenbass zur Landwrtscha und zur Landnutzung  Allgeenen darsteen Für das Un-tersuchungsgebet st sot auf künge Analysen und de Verdchtung der Datenbass zu den Wdpanzen während des Mtteaters zu hoen Panzen anderer Ökosystee we Grünland  we-testen Snne (ef Belege) und Wäldern und Waldsaugesellschaen (acht Beege) treten  frühtteaterl 6 Vgl. ON/HA 997) 31-46.  en Matera von Mtterretzbach nur n sehr gernger Menge au Ihr Entrag n de Sedlung und dat n de beden Gruben ag tes auf ntentonelle as auch auf zufällge Prozesse zurückzuführen sen Angeschts hrer gerngen Fundund Artenzahlen erübrgt sch ene ufangreche Dskusson hrer Bedeutung n der Sed-lung zunächst noch   wa das Sammen von ahrungsressourcen aus den umgeenden Wäldern. wa den inrag durch Wedeiere. 
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