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A. Kirpičnikov: Der sogenannte Säbel Karl des Grossen / The so-called sword of Charlemagne / Takzvaný meč Karla Velikého

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Studie byla publikována v roce 1972 v časopise ,,Gladius", Vol. 10 / The study was published in 1972 in the journal ,,Gladius", Vol. 10 / L'étude a été publiée en 1972 dans la revue ,,Gladius", Vol. 10.
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  DER SOGENANNTE SÄBEL KARLS DES GROSSEN VO ANATOLI J KIRPICNIKOV IM Raum von Osteuropa sind nach unserer Schätzung 250 frühmittel- alterliche Säbel (einschließlich Bruchstücke) gefunden worden. Ihr Schicksal ist so ziemlich das gleiche: Nachdem sie einige Jahrhunderte im Boden gelegen hatten, wurden diese Klingen einst gefunden, aus der Erde geholt und sind Wissenschaftsgut geworden. Es existiert jedoch ein Exemplar (das allerdings nicht mit Ost-, sondern mit Westeuropa in Zusammenhang steht), welches nie verlorenging und nicht in der Erde lag, sondern sorgfältig als Insignie des «Heiligen Römischen Reiches» von Geschlecht zu Geschlecht übergeben wurde. Es handelt sich um den sog. Säbel Karls des Großen, der nunmehr in der Schatzkammer des Wiener Kunsthistorischen Museums aufbewahrt wird. Das Studium dieses berühmten Stücks ist für die Geschichte des russischen Handwerks, und zwar nicht nur des Kriegshandwerks, nicht ohne Belang. Der Ursprung des Säbels ist von einer Legende umwoben: Der deut- sche Kaiser Otto 111. habe ihn im Jahre 1000 beim Öffnen des Grabes Karls des Großen zu Aachen gefunden. Die Neuzeit hat zu dieser Über- lieferung phantastische Einzelheiten hinzugefügt. So sei, nach einer im XVIII. Jh. entstandenen Version, der Säbel dem ersten Kaiser des Mit- telalters vom Kalifen Harun al Raschid zum Geschenk gesandt worden; nach einer anderen Version sei er als Beute aus den avarischen Kriegen in den Besitz Karls des Großen gelangt. Einigermaßen sichere Kunde über den Säbel stammt aus einer viel späteren Zeit. Bis 1794 wurde er unter den anderen Reichsinsignien der deutschen KrGnungszeremonie in Aachen aufbewahrt und gelangte dann 1801 nach Wien. Es ist bekannt, daß bis zum Ende des XVIII. Jh. mit dieser Waffe die Kaiser des «heili- gen römischen Reiches» bei der Krönung umgürtet wurden. Daß der Wiener Säbel Kar1 dem Großen gehört habe, wurde schon von dem namhaften österreichischen Waffenforscher W. Boeheim ange- Die Gesamtlänge ist 90,5 Cm, die Länge der Klinge 75,8 Cm, ihre Breite am Griff 2,8 cm, die Krümmung des Blattes nach dem von W. Arendt entwickelten Meßsystem 3,2 Cm. Dreiviertel der Klinge nimmt die Ausbreitung (jelman) ein. Die Lange der Scheide ist 86,5 Cm. Ich spreche hierbei der Direktion des Wiener Kunst- historischen Museums meinen Dank für die zur Verfügung gestellten Aufnahmen des Säbels aus. H FILLITZ: ie Insignien und Kleinodien des heiligen römischen Reiches Wien-München 1954, S. 9 und 11-12, Tafel 65-66. Id.: Katalog der Weltlichen und Geistlichen Schatxkammer «Kunsthistorisches Museum Wien», 1961, S. 53, Nt. 162. DERSOGENANNTE SÄBEL KARLSDESGROSSEN VON ANATOLIJKIRPICNIKOV IM RaumvonOsteuropasindnachunsererSchätzung250frühmittelalterlicheSäbel einschließlichBruchstücke gefundenworden. Ihr Schicksalistsoziemlichdasgleiche:NachdemsieeinigeJahrhunderteimBodengelegenhatten,wurdendieseKlingeneinstgefunden,ausderErdegeholtundsindWissenschaftsgutgeworden.EsexistiertjedocheinExemplar dasallerdingsnichtmitOst-,sondernmitWesteuropainZusammenhangsteht ,welchesnieverlorengingundnichtinderErdelag,sondernsorgfältig als Insigniedes«HeiligenRömischenReiches»vonGeschlechtzuGeschlechtübergebenwurde.Eshandeltsichumdensog.SäbelKarlsdesGroßen,dernunmehrinderSchatzkammerdesWienerKunsthistorischenMuseumsaufbewahrtwird.   DasStudiumdiesesberühmtenStücksistfürdieGeschichtedesrussischenHandwerks,undzwarnichtnurdesKriegshandwerks,nichtohneBelang.DerUrsprungdesSäbelsistvoneinerLegendeumwoben:DerdeutscheKaiser Otto III habeihnimJahre1000beimÖffnendesGrabesKarlsdesGroßenzuAachengefunden.DieNeuzeithatzudieserÜberlieferungphantastischeEinzelheitenhinzugefügt. So sei,nacheinerim XVIII Jh.entstandenenVersion,derSäbeldemerstenKaiserdesMittelaltersvomKalifen Harun al RaschidzumGeschenkgesandtworden;nacheineranderenVersionseier als BeuteausdenavarischenKriegenindenBesitzKarlsdesGroßengelangt.EinigermaßensichereKundeüberdenSäbelstammtauseinervielspäterenZeit.Bis1794wurdeerunterdenanderenReichsinsignienderdeutschenKrönungszeremonieinAachenaufbewahrtundgelangtedann1801nachWien.Esistbekannt,daßbiszumEndedes XVIII Jh.mitdieserWaffedieKaiserdes«heiligenrömischenReiches»beiderKrönungumgürtetwurden.   DaßderWienerSäbelKarldemGroßengehörthabe,wurdeschonvondemnamhaftenösterreichischenWaffenforscher W Boeheimange- I DieGesamtlängeist90,5 cm dieLängederKlinge75,8 cm ihreBreite am Griff 2 8cm dieKrümmungdesBlattesnachdemvonW.ArendtentwickeltenMeßsystem3,2 cm DreiviertelderKlingenimmtdieAusbreitung jeIman ein.DieLängederScheideist86,5 cm IchsprechehierbeiderDirektiondesWienerKunsthistorischenMuseumsmeinenDankfürdiezurVerfügunggestelltenAufnahmendesSäbelsaus. 2   FILLITZ DieInsignienundKleinodiendesheiligenrömischenReiches Wien-München1954, S 9und11-12,Tafel65-66.Id.: KatalogderWeltlichenundGeistlichenSchatzkammer «KunsthistorischesMuseumWien»,1961, S 53,Nr.162. 69  Anatolij Kirpi č nikovGladius, X (1972), pp. 69-80 ISSN 0435-029X  zweifelt, später bewiesen J. Hampel und Z. Toth die absolute Unmöglich- keit einer solchen Identifikati~n.~ u Recht schrieb J. Hampel, die Aachener Reliquie sei zumindest drei Jahrhunderte nach dem 814 er- folgten Tode ihres angeblichen Eigentümers angefertigt ~orden.~ s bestehen aber Meinungsverschiedenheiten in der Datierung des Stücks: N. Fettich und W. Arendt verlegen die Anfertigung des Säbels ins IX. Jh., Z. Toth-in die 2. Hälfte des X. Jh., J. Hampel und G. F. Kor- zuchina-ins XI. Jh.' P. Paulsen schlug die Annahme vor, die Klinge sei in den Jahren 950-1050 entstanden Am meisten begründet sind u.E. die Argumente derjenigen, die die spätere Entstehung des Säbels ver- treten. Auf die Frage seiner Datierung kommen wir später nochmals zurück. Unter den dinglichen Altertümern des westlichen Mittelalters erweck- te der sog. Säbel Karls des Großen stets einen ungewöhnlichen und fremdartigen Eindruck. Alle glaubten an die orientalische Herkunft der Klinge, dann aber begannen Spekulationen, die durch ihre Unhaltbarkeit und willkürliche Mannigfaltigkeit frappieren. Der Säbel galt als avarisch, arabisch, sizilianisch-normannisch, ungarisch, zentralasiatisch,-seine Ver- zierungen wurden mit der dakischen, gotischen, hunnischen, iranischen, «sassanidisch-mohamedanischen» arabischen, byzantinischen, sarazeni- schen und normannischen Ornamentik in Zusammenhang gebracht.' Zu welchen gekünstelten Konstruktionen manche Forscher griffen, zeigt das Beispiel von Z. Toth, der unserem Säbel eine ganze Monographie gewid- met hat. Er hielt den Säbel für magyarisch, aus den Familienschätzen der Arpaden stammend, später in die Hand der westlichen Kaiser gegeben.8 Um die von ihm bemerkten nichtungarischen Elemente in der Säbel- verzierung zu erklären, greift er zur Annahme, die Klinge könne von den chazarländischen Handwerkern angefertigt worden sein, die sich nach W. BOEHEIM: zne mtliturtechnische Studie uber den Sabel Karls des Großen z z der kaiserlichen Schatzkammer zu Wien ZWK, Bd. I Heft 1, Dresden 1897-1899, S. 6-8 und Bild. Z. TOTH: «Attilals Schwert». Studie über die Herkunft des so- genannten Säbels Kurls des Großen in Wien Budapest 1930, S. 3 ff J. HAMPEL: er sogenannte Säbel Karls des Großen. ZWK, Bd. I, Heft 2, Dresden 1897-1899, S. 49. Im Mittelalter war es überhaupt keine Seltenheit, daß berühmte Waffenstücke zu Propaganda-Zwecken und aus anderen Gründen in ihrer Enstehungszeit zurückverlegt wurden. So wurde B. das demselben Kar1 dem Großen zugeschriebene, derzeit im Louvre befindliche Schwert erwiesenermaßen nicht im VII1.-IX. Jh., sondern im XII. Jh. angefertigt. G. F. KORZUCHINA: z zstorit drevneruskogo oruiija XI V. «Sovetskaja archeo- logija , t. XIII, Moskva 1950, S. 78 und 80. P. PAULSEN: inige Säbelrchwerter im Ostseeraum. Documenta Archaeologica. Wolfgang La Baume dedicata. Bonn 1956, S. 132. Z. TOTH, 1. C., S. ff. Ibid.. S. 209. zweifelt späterbewiesenJ.HampelundZ.TothdieabsoluteUnmöglich-keiteinersolchenIdentifikation. 3 ZuRechtschrieb ]. Hampel dieAachenerReliquieseizumindestdreiJahrhundertenachdem814er-folgtenTodeihresangeblichenEigentümersangefertigtworden. 4 EsbestehenaberMeinungsverschiedenheiteninderDatierungdesStücks:N.Fettichund W. ArendtverlegendieAnfertigungdesSäbelsinsIX.Jh. Z. Toth in die2.HälftedesX.Jh. J.HampelundG.F.Kor- zuchina ins XI. Jh. 5 P.PaulsenschlugdieAnnahmevor dieKlingeseiindenJahren950 1050entstanden. 6 Ammeistenbegründetsindu.E.dieArgumentederjenigen diediespätereEntstehungdesSäbelsver-treten.AufdieFrageseinerDatierungkommenwirspäternochmalszurück.UnterdendinglichenAltertümerndeswestlichenMittelalterserweck-tedersog.SäbelKarlsdesGroßenstetseinenungewöhnlichenundfremdartigenEindruck.AlleglaubtenandieorientalischeHerkunftderKlinge dannaberbegannenSpekulationen diedurchihreUnhaltbarkeitundwillkürlicheMannigfaltigkeitfrappieren.DerSäbelgalt als avarisch arabisch sizilianisch normannisch ungarisch zentralasiatisch seineVer-zierungenwurdenmitderdakischen gotischen hunnischen iranischen «sassanidisch mohamedanischen» arabischen byzantinischen sarazeni-schenundnormannischenOrnamentikinZusammenhanggebracht.   ZuwelchengekünsteltenKonstruktionenmancheForschergriffen zeigtdasBeispielvonZ.Toth derunseremSäbeleineganzeMonographiegewid-methat. Er hieltdenSäbelfürmagyarisch ausdenFamilienschätzenderArpadenstammend späterindieHandderwestlichenKaisergegeben. 8 UmdievonihmbemerktennichtungarischenElementeinderSäbel-verzierung zu erklären greifterzurAnnahme dieKlingekönnevondenchazarländischenHandwerkernangefertigtwordensein diesichnach 3 W. BOEHEIM: EinemilitärtechnischeStudieüberdenSäbelKarlsdesGroßeninderkaiserlichenSchatzkammerzuWien ZWK Bd. I Heft 1 Dresden 1897 1899 S. 6 8 und Bild.Z. TOTH: «Attila sSchwert».StudieüberdieHerkunftdes so- genanntenSäbelsKarlsdesGroßeninWien. Budapest 1930 S. 3 H. • ]. HAMPEL: DersogenannteSäbelKarlsdesGroßen. ZWK Bd. I Heft 2 Dresden 1897 1899 S. 49. Im Mittelalter war es überhaupt keineSeltenheit daßberühmte WaffenstückezuPropaganda Zwecken und ausanderen Gründen inihrerEnstehungszeitzurückverlegt wurden. So wurde z.B.dasdemselbenKarldem Großen zugeschriebene derzeitimLouvrebefindlicheSchwerterwiesenermaßennichtim VIII. IX. ]h sondernim XII. Jh. angefertigt.   G. F. KORZUCHlNA: l t istoriidrevneruskogooruzi;a Xl V «Sovetskajaarcheo-logija» t. XIII Moskva 1950 S. 78 und 80. •P. PAULSEN: EinigeSäbelschwerterimOstseeraum. DocumentaArchaeologica.WoIfgangLaBaumededicata.Bonn 1956 S. 132. 7 Z. TOTH I c S. 7 H. g lbid. S. 209. 70  Anatolij Kirpi č nikovGladius, X (1972), pp. 69-80 ISSN 0435-029X  dem Zusammenbruch ihres Reiches in Ungarn ansiedelten, in den neuen örtlichen Verhältnissen aber nach alten orientalischen Mustern arbeite- ten? Warum an der Anfertigung des Säbels chazarische Immigranten gearbeitet haben, dafür gibt Z. Toth keine Erklärung. Die aufgestellte Hypothese trug offensichtlich einen spekulativen Charakter und wurde selbst von den ungarischen Kollegen Z. Toth's nicht unterstützt.1° Das Studium des sog. Säbel Karls des Großen, das oft wie ein «Tappen im Dunkeln), anmutet, gewann unerwartet an neuem, konkre- tem Inhalt, nachdem die westlichen Archäologen ihr Interesse den russi- schen Altertümern zuwandten. Zuerst N. Fettich und sodann auch Paul- sen stellten als Ursprungsort der Klinge das Kiewer Reich fest. Der Säbel, schrieb N. Fettich, wurde nicht in Ungarn, sondern in einer der Städte am mittleren Dnepr, wahrscheinlich in Kiew selbst angefertigt. Noch weiter ging P. Paulsen, der den sog. Säbel Karls des Großen als ein her- vorragendes Werk der Kiewer Kultur ansah.12 Doch nach dieser wichtigen Feststellung waren die erwähnten Verfasser des Weiteren inkonsequent. So würzte N. Fettich seine Betrachtungen über das frühmittelalterliche Kunstgewerbe mit einer erklecklichen Dosis von Übertreibungen, indem er 2.B. Kiew in ein magyarisches Umsiedlungszentrum verwandelte. Er behauptete, der Säbel sei schon bei seiner Anfertigung durch die mittel- dneprischen Meister für den ungarischen Fürsten Almos, den Vater von Arpad, bestimmt gewesen.13 Die Kiewer Herkunft des Wiener Säbels benötigte P. Paulsen dazu, um ein übriges Mal das mittlere Dneprgebiet zu den wikingischen Provinzen zu rechnen, wo sich die arabisch-orientali- schen und die normannischen Einflüsse verwoben haben.14 Dank N. Fettich und P. Paulsen haben wir, wenn auch etwas ent- wertet, die Annahme über den Kiewer Ursprung des sog. Säbels Karls des Großen in die Hand bekommen. Es liegt uns fern, diese Annahme nur aus dem Grunde zu verteidigen, daß sie dem nationalen Ehrgeiz schmeichelt, oder daß es bequem ist, an die Aussagen von nichtrussischen Forschern anzuknüpfen. Es handelt sich vielmehr darum, daß die russi- sche Archäologie tatsächlich genügend beweiskräftiges und überzeugen- Ibid, S. 56. Sehr zurückhaltend außerte sich über die Arbeit Z. Toth's, N. Fettich, W. Arendt aber schrieb eine kritische Rezension (W. ARENDT: wei Worte über «Attila s Schwert», ZWK, Neue Folge, Bd. IV, Heft 2, Berlin 1932, S. 41-42). N. FETTICH: Zur Archaeologze der ungarischen Lundnahmezezt, «Archaeologiai Ertesitö)). t. XLV. Budapest 1931. S. 313-314. Id.: Dle Metallkunst der landneh- menden Ungarn, AH, t. XXI, Budapest 1937, S. 199, 241 und 246. l P. PAULSEN, . C., S. 131. N. FETTICH: Hunnen, Altungarn und Urbevölkerung, SMYA, t. XLV, Helsin- ki 1945, S. 187 188. demZusammenbruchihresReichesinUngarnansiedelten,indenneuenörtlichenVerhältnissenabernachaltenorientalischenMusternarbeiteten. 9 WarumanderAnfertigungdesSäbelschazarischeImmigrantengearbeitethaben,dafürgibtZ. Toth keineErklärung.DieaufgestellteHypothesetrugoffensichtlicheinenspekulativenCharakterundwurdeselbstvondenungarischenKollegen Z Toth s nichtunterstützt. lO DasStudiumdessog.SäbelKarlsdesGroßen,das oft wieein«TappenimDunkeln»anmutet,gewannunerwartetanneuern,konkretemInhalt,nachdemdiewestlichenArchäologenihrInteressedenrussischenAltertümernzuwandten.ZuerstN.FettichundsodannauchPaulsenstelltenalsUrsprungsortderKlingedasKiewerReichfest.DerSäbel,schriebN.Fettich,wurdenichtinUngarn,sondernineinerderStädte am mittlerenDnepr,wahrscheinlichinKiewselbstangefertigt,uNochweitergingP.Paulsen,derdensog.SäbelKarlsdesGroßenalseinhervorragendes Werk derKiewerKulturansah.   DochnachdieserwichtigenFeststellungwarendieerwähntenVerfasserdesWeitereninkonsequent. So würzteN.FettichseineBetrachtungenüberdasfrühmittelalterlicheKunstgewerbemiteinererklecklichenDosisvonÜbertreibungen,indem er z.B.KiewineinmagyarischesUmsiedlungszentrumverwandelte. Er behauptete,derSäbelseischonbeiseinerAnfertigungdurchdiemitteldneprischenMeisterfürdenungarischenFürstenAlmos,denVatervonArpad,bestimmtgewesen. 13 DieKiewer Herkunft desWienerSäbelsbenötigteP.Paulsendazu,umeinübrigesMaldasmittlereDneprgebiet zu denwikingischenProvinzenzurechnen, wo sichdiearabisch-orientalischenunddienormannischenEinflüsseverwobenhaben.  4 DankN.FettichundP.Paulsehhabenwir,wennauchetwasentwertet,dieAnnahmeüberdenKiewerUrsprungdessog.SäbelsKarlsdesGroßenindieHandbekommen.Esliegtunsfern,dieseAnnahmenurausdemGrunde zu verteidigen,daßsiedemnationalenEhrgeizschmeichelt,oderdaß es bequemist,andieAussagenvonnichtrussischenForschernanzuknüpfen.Eshandeltsichvielmehrdarum,daßdierussischeArchäologietatsächlichgenügendbeweiskräftigesundüberzeugen- 9 Ibid. S 56. 1 SehrzurückhaltendäußertesichüberdieArbeitZ.Toth s,N.Fettich,W.ArendtaberschriebeinekritischeRezension(W. ARENDT:  wei  orte über«Attila sSchwert» ZWK,NeueFolge,Bd.IV, Heft 2,Berlin1932, S 41-42).   N FETTICH: ZurArchaeologiederungarischenLandnahmezeit «ArchaeologiaiErtesitö»,t.XLV,Budapest1931, S 313-314.Id.: DieMetallkunstderlandneh-mendenUngarn AH, t XXI Budapest1937, S 199,241 und 246. 12 P. PAULSEN c S 131. 13 N FETTICH: Hunnen Altungarn und Urbevölkerung SMYA, t XLV,Helsin ki 1945, S 187-188. P. PAULSEN c S 131. 7  Anatolij Kirpi č nikovGladius, X (1972), pp. 69-80 ISSN 0435-029X  des Material gewährt, um über die Herkunft des sog. Säbels Karls des Großen urteilen zu kinnen. Der sog. Säbel Karls des Großen ist vollständig erhalten Bild 1).15 Selbst unter den ansehnlichsten mittelalterlichen Stücken hebt er sich durch die Prächtigkeit seiner Verzierun- gen und den Prunk der Beschläge hervor. Ein Teil der Schei- de und der Griff sind mit Blattgold umhüllt, auf der Klinge ist ein vergoldeter Kupferstreifen angebracht Bild 2-3). Wir haben es unzweifelhaft mit der Prachtwaffe eines Feudal- herrn zu tun, die staatliche Bedeutung erlangen konnte und auch erlangt hat. Die Verzierungen des Säbels bestehen aus verschieden- artigen großen und abgeschlossenen Kompositionen und geben alle Gelegenheit, das Stück selbst zu studieren.16 Längs der Klinge zieht sich von beiden Seiten ein vergoldeter Kupferstreifen hin Bild 4). Er trägt eine Verzierung in Form eines geschwungenen Stengels mit abzweigenden Blätt- chen. In seinem oberen Teil, an der Parierstange, erfährt das Pflanzenornament eine Verwicklung durch zwei gegenüber- gestellte Seepferdschen Bild 5 . Kennzeichnend für das be- schriebene Muster ist der Wechsel von hervortretenden ge- musterten Flächen und einem «feinkGrnigen» Hintergrund, als auch Blattverzierungen in Form von kleinen Ranken mit kreisförmigen Verdickungen. Kompositionen ähnlichen Stils werden an russischen und ungarischen Stücken der 2. Hälfte des X. Jh. angetroffen Säbelgefäße, Taschenbleche, Schwert- griffbeschläge u.a.).17 Der einzige Säbel mit einem ähnlichen ZU den späteren Auffrischungen gehören drei vergoldete Silber- ringe mit Edelsteinbesatz um den Griffangel. Der Holzkörper der Scheide wahrscheinlich erneuert) ist teils mit Leder, teils mit einer glatten Goldplatte bedeckt,-beides neuer Herkunft. Alter Herkunft sind also nur zwei verzierte Beschläge und das Ortband H. FILLITZ: Katalog ... S. 53). Der obere Beschlag hatte m~giichenveise inen ver- zierten Anwuchs, ähnlich dem unteren. l N. FETTICH: te Metallkunst der landnehmenden Ungarn, AH t. XXI, Budapest 1937, Tafelband, Tafel LXXVII, 1-4 und LXXVIII. Hier wird die beste Wiedergabe des Stückes gebracht. Ebenso, J. HAM- PEL: Alte~thiimer des fruhen Mittelalters in Ungarn, Bd. 111, Braun- schweig 1905, Taf. 438, 1-3 und Taf. 439, 4-5. I N. FETTICH: Dze Metallkunst.. Tafelband. XXIX; XLI, 1, XLIV, 1-5; XLVII ff. ILD 1.-«Jubel Karls des Gvoßem. Zeichnung von G. F. Korzuchina. 72desMaterialgewährt,umüberdie Herkunft dessog.SäbelsKarlsdesGroßenurteilenzukönnen. Der sog.SäbelKarlsdesGroßenistvollständigerhalten Bild 1 15 Selbst unter denansehnlichstenmittelalterlichenStückenhebtersichdurchdiePrächtigkeitseinerVerzierungenundden Prunk derBeschlägehervor.EinTeilderScheideundderGriffsindmitBlattgoldumhüllt,aufderKlingeisteinvergoldeterKupferstreifenangebracht Bild2-3 . Wir haben es unzweifelhaftmitderPrachtwaffeeinesFeudalherrnzutun,diestaatlicheBedeutungerlangenkonnteundaucherlangthat.DieVerzierungendesSäbelsbestehenausverschiedenartigengroßenundabgeschlossenenKompositionenundgebenalleGelegenheit,dasStückselbst zu studieren. 16 LängsderKlingeziehtsichvonbeidenSeiteneinvergoldeterKupferstreifenhin Bild4 . Er trägteineVerzierunginFormeinesgeschwungenenStengelsmitabzweigendenBlättchen.   seinemoberenTeil,anderParierstange,erfährtdasPflanzenornamenteineVerwicklungdurchzweigegenübergestellteSeepferdschen Bild5 .KennzeichnendfürdasbeschriebeneMusteristderWechselvonhervortretenden ge- mustertenFlächenundeinem«feinkörnigen»Hintergrund,alsauchBlattverzierungeninFormvonkleinenRankenmitkreisförmigenVerdickungen.KompositionenähnlichenStilswerdenanrussischenundungarischenStückender2. Hälfte desX. Jh. angetroffen Säbelgefäße,Taschenbleche,Schwertgriffbeschlägeu.a. Y Der einzigeSäbelmiteinemähnlichen   ZudenspäterenAuffrischungengehörendreivergoldeteSilberringemitEdelsteinbesatzumdenGriffangel.DerHolzkörperderScheide wahrscheinlicherneuert istteilsmitLeder,teilsmiteinerglattenGoldplatte bedeckt beides neuerHerkunft.Alter Herkunft sindalsonurzweiverzierteBeschlägeunddasOrtband H. FILLITZ: Katalog S 53 .DerobereBeschlaghattemöglicherweiseeinenverziertenAnwuchs,ähnlichdemunteren. 16 N. FETTICH: DieMetallkunstderlandnehmendenUngarn AH, t XXI Budapest1937,Tafelband,Tafel LXXVII 1 4 und LXXVIII. HierwirddiebesteWiedergabedesStückesgebracht.Ebenso, ]. HAM- PEL: AlterthümerdesfrühenMittelaltersinUngarn Bd. III Braunschweig1905,TaL438, 1 3 undTaL439, 4 5 17 N. FETTICH: DieMetallktmst Tafelband. XXIX; XLI,   XLIV, 1 5; XLVII ff BILD 1 «5äbel Karlsdes Großem> ZeichnungvonG.   Korzuchina.  Anatolij Kirpi č nikovGladius, X (1972), pp. 69-80 ISSN 0435-029X  BILD 2 Sabel Karls des Großen» Gefäß. Kunst- historisches Mu- seum. Wien). ILD   « ä el  rls des   ro ßen»-  efäß Kunst- historischesMu seum.Wien . 73  Anatolij Kirpi č nikovGladius, X (1972), pp. 69-80 ISSN 0435-029X
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